In der Nacht zum 12.3.1938 wurde mein Opa- u. Ur-Opa von der SA abtransportiert

Die heurige  Nacht von 11.3. auf 12.3. ist  heuer auch meine ganz PERSÖNLICHE „GEDENKNACHT“: Da wurde 1938 MEIN GROSS- UND URGROSSVATER VON DER SA ABTRANSPORTIERT. ER HATTE 5 MINUTEN ZEIT UM SICH AUCH VON DEN 3 KLEINEN KINDERN ZU VERABSCHIEDEN: – Der 11. März 1938 – war einer der schwärzesten Tage unserer Geschichte. Die kampflose und bedingungslose Kapitulation vor der Nazimaschinerie und die Kollaboration des autoritären Ständestaats – der sich auf antisozialen Nationalismus und Österrreich-Rhetorik aufzubauen versuchte –  leitete Zerstörung und den Tod Hunderttausender im Krieg ein. Aber Schuschnigg wollte kein „deutsches Blut vergiessen“. –
Mein Großvater war so was wie Ortsvorsteher im Dorf , saß noch mit Gendarmen am Abend des 11.3. zusammen; in der Früh um ca 4 h kamen dieselben Gendarmen und die SA, und transportierten ihn auf einem Lastwagen nach Tulln, zusammen mit anderen, unter anderem dem Urgrossvater mütterlicherseits. Sie gehörten zu ca. 70 000, die in diesen Tagen interniert wurden. Die Gendarmen entschuldigten sich zumindest , mit dem „Umbruch“ müssten sie das machen. Die SA gab meinem Opa nur 5 Minuten ums Sachen mitzunehmen und sich von der Familie, den 3 Kindern zu verabschieden. Mein Vater war damals als Älterer noch nicht 13,; er erzählte mir nie über diese Abschiedsszene, es hieß immer, Opa sei in der Nacht „abgeholt“ worden; erst mein Onkel hat mir voriges Jahr zu seinem 90er das erstmals erzählt. Mein Vater hatte mir auch nie erzählt, dass am Vormittag dann der Nazilehrer den 3 Kindern eröffnete, dass sie sich ab nun nur mehr an ihm zu orientieren haben. Eine Ergänzung, die mir wichtig ist: sicher war mein Großvater als Ortsvorsteher auch Teil des Ständestaats gewesen, aber er war mehr christlich-sozial in dem Sinn, das er immer – und nachgewiesen – einen guten Kontakt zu den paar Sozialdemokraten im Dorf hatte.

Autor: Josef Baum

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