Grüne Jugend -(Grüne) Marken, Marketing und Markenrechtsklagen

Ein Kernargument beim Ausschluss der Jungen Grünen war, dass „Grün“ eine Marke sei, und dass bei Wahlen nur eine Gruppierung diese Marke verwenden könne. Dies ist in mehrfacher  Hinsicht hinterfragbar und lässt tief blicken:

  1. Für diese Ansicht gibt es sicher Argumente, aber auch ganz reale Gegenargumente: so versteht es die ÖVP trefflich bei gewissen Wahlen immer wieder zwei Listen aus dem Umfeld dieser Partei antreten zu lassen. Die können mit zwei (ähnlichen)Marken mehr Potential abschöpfen und erreichten in nicht wenigen Fällen so zusammen sogar Mehrheiten, die eine Liste nicht erreicht hätte. Muss nicht sein, aber ist möglich
  2. Dass eine „Firma“ nur eine Marke haben kann oder sogar nur haben dürfte, ist auch was, was nicht dem (Wirtschafts-) Leben entspricht: es gibt Unternehmen, die haben viele Marken, und schöpfen so mehr Umsatz ab. Fast unendlich viele Beispiele…
  3. Das Ganze „MARKEN“-Denken zeigt, dass Politik sehr von MARKETing geprägt ist. Soll sein, muss sein, sollte aber nicht ausschlaggebend sein. Sozialökologische Alternativen sind mehr als ein Produkt. Und Werbung und Marketing ist bekanntlich dort am ausgeprägtesten, wo sich die Produkte eben fast nicht unterscheiden („wäscht weisser“), eben bei Mainstream-Parteien, die das am notwendigsten haben. Sind die Grünen im Mainstream angekommen?
  4. Es ist politische Realität auch in Österreich geworden, dass in den Zentralen der Mainstream-Parteien Werbe- und Beratungsagenturen beauftragt werden (an sich auch ok), aber dann de facto das Kommando übernehmen. Und für diese ist dann dieses Markendenken zentral. Leider unterscheiden sich da offenbar die Grünen nicht mehr viel.

Davon leben dann ganze Scharen von „Beratern“, die tun für  Geld fast alles; nicht wenige sind frühere Linke oder frühere Alternative; wie bei der „Im Zentrums“-Diskussion an einem Fall besonders krass zu sehen war.

  1. Die Krone ist, dass die Grünen in den Raum stellen ihre frühere Jugend „wegen Verletzung der Markenrechte“ zu klagen. Dürfte ein bißchen Selbsthass sein, man will an frühere Träume nicht erinnert werden, und diese sollen ausgemerzt werden – wird aber nicht gehen, wie man sieht, ist ja nun schon das dritte mal dass die grünen ihre Jugendorganisation versuchen los zu werden.

Autor: Josef Baum

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